Akupunktur bei Bluthochdruck (Hypertonie) - Zahlen - Daten - Fakten - Dr. med. Thomas Braun ISBN 978-3-9814546-0-4
Akupunktur bei Bluthochdruck - ISBN 978-3-9814546-0-4
Der Autor, Dr. med. Thomas Braun ist Jahrgang 1962 und seit 1993 in eigener Praxis im Urlaubsgebiet Bayrischer Wald tätig. Nach Abschluß des Medizinstudiums und der Promotion absolvierte er erfolgreich die Prüfung zum Facharzt für Innere- und Allgemeinmedizin, sowie zum Abschluß seines Zweitstudiums an der TCM-Universität Li Shi Zhen (Campus Wien).
In den letzten Jahren hat er mehrere Vorträge bei Weltkongressen der WHO akkreditierten World Federation of Acupuncture and Moxibustion Societies (WFAS) gehalten und war 2009 Mitglied des wissenschaftlichen Kongreß-Kommittees. Höhepunkt seiner Tätigkeit als Arzt der deutschen Taekwondo-Nationalmannschaft war 2003 der 1. Platz bei der Europameisterschaft in Athen. Er hatte zahlreiche Studienaufenthalte in China, u.a. am WHO Collaborating Centre for Traditional Medicine in Peking, und Lehrbeauftragter der Akupunktur- und TCM-Gesellschaft in China weitergebildeter Ärzte e.V. (ATCÄ).
Leseprobe - KAPITEL7
ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSFOLGERUNG
In der WHO-Guideline: „Clinical Guidelines for the
Management of Hypertension“ aus
dem Jahre 2005 findet sich die Akupunktur nicht als
Therapieoption. Das Risiko von Herz- Kreislauferkrankungen steigt mit Zunahme des Blutdruckes und
ist weltweit epidemiologisch relevant.
Die derzeitige, leitlinienkonforme Standardtherapie
umfaßt neben der medikamentösen (Dauer-)Therapie
auch Allgemeinmaßnahmen wie Gewichtsreduktion
und sportliche Betätigung. Die medikamentöse Therapie ist mit erheblichem finanziellen Aufwand und
unerwünschten Arzneimittelwirkungen verbunden.
Insbesondere die Auswirkungen einer vielfach notwendigen Kombination von mehr als zwei Präparaten,
ist bislang nicht ausreichend mit Studien belegt, unvorhersehbare, aber auch eine Synergie unerwünschter Wirkungen ist zu erwarten.
Die Grundlagen der Theorien der TCM und der westlichen Medizin sind nicht kompatibel, basieren sie doch
auf völlig unterschiedlichen erkenntnistheoretischen
Modellen. Medizin als solche ist jedoch in beiden Kulturkreisen eine empirische Wissenschaft, bei der letztlich das beste Ergebnis für den Patienten auch die
beste Form der Behandlung darstellt. Inwieweit
diese Behandlung daher vorbestehenden Leitsätzen
genügt, ist von untergeordneter Bedeutung, gegebenenfalls sind diese auch zu hinterfragen.
In tierexperimentellen Akupunktur- Studien wurden
physiologische Veränderungen gefunden, die geeignet sind, Erklärungsansätze für die Senkung eines erhöhten Blutdruckes im Sinne der westlichen Medizin
zu geben. Diese Veränderungen variierten signifikant
zwischen „Verum“- und „Sham“- Akupunktur, was gegen die Hypothese, die Wirkung der Akupunktur sei
auf den Placeboeffekt zurückzuführen, spricht.
Zur Wirkung der Akupunktur beim Bluthochdruck
sind in den letzten Jahren 10 öffentlich einsehbare Studien ausreichender Qualität publiziert worden
(Jadad- Score mindestens 3). Dabei fanden sich in
9 Studien bei 443 Patienten signifikante Vorteile der
Akupunkturgruppe im Vergleich zu den jeweiligen
Kontrollgruppen. In einer Studie, in der die Patienten
von ihrer laufenden Blutdruckbehandlung „entwöhnt“
(weaned off) worden waren fand sich kein Vorteil der
Gruppen („traditionelle chinesische Akupunktur“ und
„standardisierte Akupunktur an vorher ausgewählten
Punkten“) gegenüber der Scheinakupunkturgruppe.
Der Effekt der zu erwartenden Senkung eines Bluthochdruckes mittels Akupunktur liegt zwischen 5 und
20 mmHg (systolisch), als etwa in der Größenordnung
des Effektes einer Gewichtsreduktion um 10 kg, einer
Ernährungsanpassung oder einer Monotherapie mittels 75 bis 150 mg Captopril oder 50 bis 100 mg Ate-
nolol täglich. Es gibt deutliche Hinweise, daß sich die
Akupunktur auch als ergänzende Maßnahme bei laufender Blutdruckmedikation eignet und weitere Risikofaktoren von Herz- Kreislauferkrankungen positiv
beeinflußt.
Über die Kosteneffizienz der Akupunktur im Rahmen
der Bluthochdruckbehandlung kann nach der derzeitigen Studienlage keine Aussage gemacht werden.
Die Materialkosten sind jedoch niedrig, ihr Einsatz
weltweit unabhängig von der wirtschaftlichen Situation eines Landes.
Eine Aufnahme der Akupunktur in die WHO-Guideline: „Clinical Guidelines for the Management of Hypertension“ ist daher angebracht. Im diesem Falle ist
ergänzend grundsätzlich zu fordern, daß Studien zu
diesem Themenbereich, um als valide im Sinne der
evidenzbasierten Medizin anerkannt zu werden, nicht
nur einem formalen, sondern auch einem inhaltlichen
Review zu unterziehen sind, der sowohl die Prinzipien der westlichen, als auch der chinesischen Medizin
umfaßt.
Gerade auch im Breitensport spielt Bluthochdruck eine große Rolle, seine erfolgreiche Behandlung ohne Inkaufnahme von Leistungseinbußen und Folgeerkrankungen ist eine ständige Herausforderung in Sport-, Innere- und Allgemeinmedizin.
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